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Kündigung durch den Vermieter – Ihre Rechte, die Rechtslage und was Sie erwarten können

Eine Kündigung durch den Vermieter ist für Mieter häufig ein Schock. Doch das deutsche Mietrecht gewährt Mietern starken Kündigungsschutz: Der Vermieter kann ein Wohnraummietverhältnis nur kündigen, wenn er ein berechtigtes Interesse nachweist – und selbst dann kann der Mieter Widerspruch einlegen, wenn die Beendigung für ihn eine unzumutbare Härte bedeuten würde. Diese Seite erklärt die Rechtslage, die wichtigsten Urteile und drei typische Fallbeispiele.

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1. Einschlägige Gesetze

§ 573 BGB – Ordentliche Kündigung durch den Vermieter

§ 573 Abs. 1 BGB enthält das Grundprinzip: Der Vermieter kann nur kündigen, wenn er ein berechtigtes Interesse an der Beendigung des Mietverhältnisses hat. Abs. 2 nennt abschließend die gesetzlich anerkannten Kündigungsgründe: (1) erhebliche Pflichtverletzung des Mieters, (2) Eigenbedarf, (3) wirtschaftliche Verwertung des Grundstüks. Andere Gründe können nur in Ausnahmen und durch höchstrichterliche Anerkennung Beruf geben. Die Kündigung muss schriftlich und mit Angabe des Grundes erfolgen.

§ 543 BGB – Außerordentliche fristlose Kündigung

§ 543 BGB regelt die fristlose Kündigung aus wichtigem Grund. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor bei: (1) erheblicher Gefährdung der Mietsache durch den Mieter, (2) nachhaltiger Störung des Hausfriedens, (3) Mietrückstand von mindestens zwei Monatsmieten (§ 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB). Die fristlose Kündigung muss keine Kündigungsfrist einhalten, muss aber bei Zahlungsverzug grundsätzlich mit einer Abmahnung eingeleitet werden.

§ 569 BGB – Schonfristzahlung

Das wichtigste Schutzrecht des Mieters bei fristloser Kündigung wegen Mietrückstands ist die sog. Schonfristzahlung nach § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB: Zahlt der Mieter den vollständigen Rückstand innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Räumungsklage, wird die fristlose Kündigung unwirksam. Dieses Recht kann nur einmal innerhalb von zwei Jahren genutzt werden.

§ 574 BGB – Widerspruch des Mieters, Härtefall

Auch bei einer wirksamen Kündigung muss der Mieter nicht unbedingt ausziehen: § 574 BGB gibt ihm das Recht, der Kündigung zu widersprechen, wenn die Beendigung des Mietverhältnisses für ihn, seine Familie oder einen anderen Angehörigen seines Haushalts eine Härte bedeuten würde, die auch unter Würdigung der Interessen des Vermieters nicht zu rechtfertigen ist. Der Widerspruch muss spätestens zwei Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist schriftlich beim Vermieter eingehen.

2. Wichtige Rechtsprechung

BGH, Urteil vom 10.10.2012 – VIII ZR 107/12: Anforderungen an die Kündigungsbegründung

Der BGH hat präzisiert, dass die Kündigungsbegründung den Kündigungsgrund so konkret angeben muss, dass der Mieter die Berechtigung der Kündigung nachvollziehen und sich darüber schlüssig werden kann, ob er widersprechen will. Allgemeine Formulierungen genügen nicht. Fehlt eine ausreichende Begründung, ist die Kündigung formunwirksam.

BGH, Urteil vom 29.03.2017 – VIII ZR 45/16: Wiederholungskündigung nach Abmahnung

Der BGH hat klargestellt, dass nach einer unwirksamen fristlosen Kündigung wegen Mietrückstands (durch Schonfristzahlung geheilt) eine fristgemäße ordentliche Kündigung wegen derselben Pflichtverletzung möglich bleibt. Die Schonfristzahlung heilt nur die fristlose Kündigung, nicht aber das berechtigte Interesse des Vermieters an einer ordentlichen Kündigung wegen nachhaltiger Vertragsverletzung.

BGH, Urteil vom 26.01.2022 – VIII ZR 233/20: Härtefall-Abwägung

Der BGH hat die Härtefall-Abwägung nach § 574 BGB vertieft: Hohes Alter, schwere Erkrankung, lange Mietdauer und das Fehlen von Ersatzwohnraum können einen Härtefall begründen, der die Interessen des Vermieters überwiegt – selbst wenn der Kündigungsgrund an sich berechtigt war. Die Gerichte müssen alle relevanten Umstände konkret abwägen.

OLG Hamburg, Urteil vom 08.04.2020 – 4 U 78/19: Kündigung wegen Untervermietung ohne Erlaubnis

Das OLG Hamburg hat entschieden, dass eine ungenehmigt Untervermietung über Airbnb eine erhebliche Pflichtverletzung darstellt, die zunächst eine Abmahnung erfordert. Erst wenn der Mieter nach Abmahnung nicht aufhört, kommt eine Kündigung in Betracht. Eine sofortige Kündigung ohne vorherige Abmahnung ist in der Regel nicht wirksam.

3. Typische Streitfälle

Fristlose Kündigung wegen Mietrückstands

Zwei Monatsmieten Rückstand berechtigen zur fristlosen Kündigung. Zahlt der Mieter innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Räumungsklage nach, wird die Kündigung unwirksam (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB – Schonfristzahlung).

Ordentliche Kündigung wegen störenden Verhaltens

Kündigungen wegen Lärm, Beleidigungen oder Schäden durch den Mieter scheitern häufig, weil der Vermieter die Pflichtverletzungen nicht hinreichend konkret dokumentiert hat.

Kündigung trotz Sonderkündigungsschutz

Schwerbehinderte, ältere oder schwer erkrankte Mieter genießen erhöhten Schutz. Kündigungen trotz Sozialklausel (§ 574 BGB) sind häufig abzuwehren.

4. Fallbeispiele aus der Praxis

1. Fristlose Kündigung wegen Mietrückstand – Schonfristzahlung rettet das Mietverhältnis

Sachverhalt

Herr R., 34 Jahre alt, verlor seinen Arbeitsplatz und geriet mit zwei Monatsmieten (je 850 Euro) in Rückstand. Der Vermieter kündigte fristlos und erhob kurz darauf Räumungsklage. Herr R. hatte inzwischen eine neue Stelle angetreten und konnte den vollständigen Rückstand von 1.700 Euro innerhalb von sechs Wochen nach Klagezustellung zahlen.

Rechtliche Bewertung

Nach § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB wird die fristlose Kündigung unwirksam, wenn der Mieter den vollständigen Rückstand innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Räumungsklage ausgleicht – vorausgesetzt, dieses Recht wurde nicht bereits innerhalb der letzten zwei Jahre in Anspruch genommen. Da Herr R. erstmals in eine solche Situation geraten war, konnte er die Schonfristzahlung nutzen.

Ergebnis

Das Gericht wies die Räumungsklage ab. Die fristlose Kündigung war durch die Schonfristzahlung unwirksam geworden. Herr R. konnte in seiner Wohnung verbleiben. Der Vermieter hatte keinen Anspruch auf Erstattung seiner Prozesskosten, da er das Prozesskostenrisiko durch die frühzeitige Klageerhebung selbst getragen hatte.

Wenn Sie wegen Mietrückstands geklägt werden, können Sie das Mietverhältnis durch Zahlung des vollständigen Rückstands innerhalb von zwei Monaten nach Klagezustellung retten. Handeln Sie sofort.

2. Ordentliche Kündigung wegen Lärms – Abmahnung fehlerhaft

Sachverhalt

Der Vermieter kündigte Frau S. ordentlich, weil sie angeblich wiederholt Nachbarn durch Laufen in hohen Absatzschuhen und laute Musik nach 22 Uhr belästigt habe. Zuvor hatte er eine Abmahnung ausgesprochen, in der er lediglich schrieb: „Sie verursachen wiederholt unzumutbaren Lärm." Die Kündigung verwies auf diese Abmahnung.

Rechtliche Bewertung

Sowohl die Abmahnung als auch die Kündigung litten an einem wesentlichen Formfehler: Sie enthielten keine konkreten Angaben zu Datum, Uhrzeit und Art der behaupteten Lärmstörungen. Eine Abmahnung, die dem Mieter nicht ermöglicht nachzuvollziehen, welches konkrete Verhalten beanstandet wird, erfüllt ihre Warnfunktion nicht und ist unwirksam. Ohne wirksame Abmahnung konnte auch die ordentliche Kündigung wegen Pflichtverletzung keinen Bestand haben.

Ergebnis

Das Gericht wies die Räumungsklage ab. Die Kündigung war mangels wirksamer Abmahnung unwirksam. Frau S. verblieb in ihrer Wohnung. Der Vermieter trug alle Prozesskosten.

Eine Kündigung wegen Lärms ist nur wirksam, wenn ihr eine konkrete und wirksame Abmahnung vorausgegangen ist. Prüfen Sie die Abmahnung genau – oft scheitert die Kündigung bereits daran.

3. Härtefall gegen Eigenbedarfskündigung – ältere Mieterin setzt sich durch

Sachverhalt

Frau T., 81 Jahre alt, wohnte seit 42 Jahren in ihrer Wohnung. Der neue Eigentümer kündigte ihr die Wohnung wegen Eigenbedarfs für seine Tochter. Frau T. erhob über ihren Anwalt Widerspruch nach § 574 BGB mit der Begründung, ein Umzug wäre aufgrund ihres Alters, ihrer Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 2) und ihrer tiefen Verwurzelung im sozialen Umfeld (Arzt, Pflegedienst, Verwandte alle in unmittelbarer Nähe) für sie gesundheitsgefährdend.

Rechtliche Bewertung

Das Gericht nahm die Härtefall-Abwägung nach § 574 BGB vor und stellte fest: Der Eigenbedarf des Vermieters war zwar berechtigt und konkret. Auf der anderen Seite standen das extrem hohe Alter, die Pflegebedürftigkeit, die 42-jährige Verwurzelung und das ärztliche Attest, wonach ein Umzug ernsthafte gesundheitliche Risiken bergen würde. Das Gericht entschied, dass die Interessen von Frau T. in diesem Fall überwiegen.

Ergebnis

Die Räumungsklage wurde abgewiesen. Das Mietverhältnis wurde auf Antrag nach § 574a BGB auf unbestimmte Zeit verlängert. Dem Eigentümer stand frei, nach Ableben von Frau T. über die Wohnung zu verfügen.

Alter, Krankheit und lange Mietdauer sind starke Härtefallargumente. In vergleichbaren Konstellationen kann rechtzeitiger, begründeter Widerspruch nach § 574 BGB erfolgversprechend sein. Ob das auf Ihre Situation zutrifft: Ein Anwalt kann das rasch einschätzen.

5. Erfolgsaussichten

Mieter haben im deutschen Mietrecht einen starken Kündigungsschutz. Formfehler der Kündigung, fehlende Begründung oder nicht nachgewiesene Kündigungsgründe machen die Kündigung unwirksam. Reagieren Sie auf jede Kündigung sofort mit anwaltlicher Hilfe.

Häufige Fragen

Kann mein Vermieter mir ohne Grund kündigen?

Nein. Eine ordentliche Kündigung durch den Vermieter setzt ein berechtigtes Interesse voraus (z. B. Eigenbedarf oder erhebliche Vertragsverletzung) und muss diesen Grund im Kündigungsschreiben nennen.

Was ist der Unterschied zwischen ordentlicher und fristloser Kündigung?

Die ordentliche Kündigung ist an gesetzliche Kündigungsfristen gebunden und erfordert ein berechtigtes Interesse. Die fristlose Kündigung setzt einen besonders schwerwiegenden Grund voraus (z. B. erhebliche Zahlungsrückstände) und beendet das Mietverhältnis sofort.

Wie stehen Ihre Chancen konkret?

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